Montag, 2. September 2019

Hänsel & Gretel - Was passiert mit der Hexe?

Mit dem Workshop VON DER SCHUHSCHACHTEL ZUM PAPIERTHEATER trete ich  zumeist vor Kindergruppen auf. Manchmal ist das in einer Grundschule. Manchmal ist es vor 10 - 11 Jährigen. Manches Mal ist es auch vor gemischten Gruppen (Großeltern - Eltern - Kinder).
Um so quasi die Gruppe in Stimmung zu bringen, aber auch um zu zeigen, wie denn dann dieses Schuhschachtel-Bühnchen funktionieren könnte, spiele ich zum Beginn des Workshops das Märchen HÄNSEL&GRETEL.

 Abgesehen davon, dass es bei diesem Märchen drei Lieder gibt, die wirklich ALLE mitsingen können (Hänsel und Gretel gingen.... / Sag wer mag das Männlein sein.... / Brüderchen kommen tanz mit mir ..) ist es jeweils ein spektakulärer Höhepunkt der Handlung, sobald  die Hexe aus dem Rauchfang fliegt. Dabei "explodiert" ein Stück Pyrowatte und Rauch quillt aus der Nebelmaschine! Das ist immer sehr beliebt und man könnte  es eigentlich immer ein zweites Mal wiederholen.


Trotzdem habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob man(n) denn nicht den (Märchen-) Tod der Hexe vermeiden könnte. Und so bin ich auf eine eigentlich sehr moderne Lösung gekommen, die auch alle gut  verstehen und man den Eindruck erweckt, die Hexe lebt eigentlich (weit weg) weiter.

Bei meiner Version des Märchens sind die Dialoge so aufgebaut, dass HÄNSEL der "starke Bruder" ist, auf welchen sich seine Schwester GRETEL verlassen kann : WIR SCHAFFEN DAS! In der offensichtlich ausweglosen Situation, in welcher die Hexe alles vorbereitet, um den HÄNSEL in den Ofen zu schieben, rät HÄNSEL seiner Schwester, sich einfach dumm zu stellen und von der Hexe zu verlangen, alles vor zu machen. Auf diese Weise kommen die beiden Kinder in die Situation, die Hexe letztendlich in den Ofen zu befördern.

In diesem Moment explodiert auf der Bühne also die Pyrowatte und der Nebel täuscht Rauch vor, während ich die Figur der Hexe sehr schnell aus der Bühne hebe und dann diese Figur in einer Kreisbewegung einige Male um die Bühne wirble. Dabei sage:

"Da fährt die Hexe aus dem Rauchfang, erreicht die Erdumlaufbahn, umkreist die Erde einmal, zweimal, dreimal um denn letzten Endes in die Mondumlaufbahn einzuschwenken um den Mond einige Male zu umkreisen. Letzten Endes landet die Hexe (und dabei lasse ich die Figur immer zu Boden fallen) auf dem Mond und GRÜNDET DORT DIE ERSTE HEXEN-WG."

Das Spektakel bleibt erhalten und zugleich deute ich aber auch damit an, dass die Hexe nicht gestorben ist, sondern eben auf dem Mond weiterleben darf.

Die Handlung meiner Version endet jedenfalls damit, dass die Kinder die Schätze der Hexe hinter dem Ofen finden und den Eltern bringen. Vater und Mutter sind glücklich, dass den Kindern nichts passiert ist und die Not hat ein Ende.

Die Phantasie der Kinder ist manches Mal sehr drastisch


Zum Abschluss des Workshops, sobald alle Bühnchen fertig gebaut  und die Figuren ausgeschnitten sind, lade ich die Teilnehmer ein, nun selbst ihre Versionen von HÄNSEL UND GRETEL für die anderen Teilnehmer zu spielen. Dabei erfährt die Szene mit der Hexe und dem Ofen oft sehr eigentümliche Wendungen.
  • So haben einmal zwei Buben mit einem Absud aus dem Fliegenpilz einen Panzer und ein Maschinengewehr "hergezaubert" und damit das Hexenhaus niedergewalzt und die "Hexe erschossen".
  • Eine Mädchengruppe hat Hänsel und Gretel die Hexe im Ofen braten lassen, um sie dann selbst als Braten zu verspeisen "Bring noch etwas Bratensaft, ich mag's nicht gern so trocken" (!). Danach haben die beiden Geschwister eine WG im Hexenhaus gegründet und haben dort bis zu ihrem Lebensende gewohnt.
  • Eine andere Gruppe hat aus dem Fliegenpilzabsud einen Zaubertrank bereitet, diesen der Hexe zu Trinken gegeben und haben sie damit von ihrer schwarzen Magie befreit.


 

Montag, 15. April 2019


Der Ring des Nibelungen in 102 Minuten

Ein Versuch für das Papiertheater
Ulrich Chmel, Wien

 

Eine meiner allerersten Begegnungen mit dem Medium Papiertheater  war eine Vorstellung des Stückes DER RING DES NIBELUNGEN IN 110 Minuten.  I-Piccoli Theaterwerkstatt Gerhard Weiss, aus München, gastierte damit vor ca. 25 - 26 Jahren, anlässlich der Wiener Festwochen im SCHAUSPIELHAUS, in der Wiener Porzellangasse.  Das war ein Eindruck!!! Unglaublich. Vielleicht hat mich dieses Erlebnis vor etwa 2 Jahren dazu inspiriert, mich selbst an ein solches Experiment heranzuwagen.  In der Zwischenzeit habe ich dieses unglaublich schöne Werk von Richard Wagner einige Male erlebt, in Bayreuth, in der Wiener Staatsoper und bei den Mistelbacher Figurentheatertagen - als Handpuppenstück. Insgesamt habe ich " den Ring" so an die 7 Mal in den verschiedenen Versionen erlebt und verinnerlicht.

Die Verkürzung ist die schwierigste Aufgabe

Es ist meine Auffassung, dass Stücke für das Papiertheater der Größe der Bühne anzupassen sind.  Das längste Stück aus meinem Spielplan (Die schaurig schöne Geschichte vom Gevatter Tod) dauert 50 Minuten.  110 Minuten (reine Spielzeit)  für insgesamt 4 Opern (Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung) erscheinen daher das Maximum, welches man Besuchern im Papiertheater abverlangen kann.   Aus diesem Grunde habe ich als Arbeitstitel für mein "Monsterwerk" DER RING DES NIBELUNGEN IN 102 MINUTEN gewählt. Wohl auch als Mittel der Selbstdisziplin.
  
Meine Herangehensweise

Da ich ein sehr optisch ausgerichteter Mensch bin, beginne ich eigentlich jedes Stück mit der Planung des Bühnenbildes. Wenngleich  mein Bühnchen über einen Schnürboden verfügt, ist die Anzahl der Bühnenbilder sehr begrenzt. Ich habe als erstes ein Storyboard  gezeichnet, um einen ersten ungefähren Überblick über den Bedarf zu erhalten.

 

Es braucht für das Stück folgend Bühnenbilder/Kulissen (Mindestausstattung)

·         am Rheingrund
·         Bergeshöhen
·         Mimes Schmiede
·         Hundings Hütte
·         eine wilde Schlucht
·         die Neidhöhle
·         eine Halle
Schon beim Zeichnen des Storyboards ist  die Idee entstanden, einfache, scherenschnittartige Bühnenbilder/Kulissen herzustellen und die Farbe mittels entsprechender Beleuchtung eines weißen Bühnenhintergrundes  zu illusionieren.  Zwei Gründe dafür: erstens, einfache Bühnenbilder/Kulissen sind platzsparend (am Schnürboden ist alles dicht gedrängt!) und zweitens, ergibt dunkel vor hell/bunt einen tollen Kontrast, der sehr einprägsam ist. Dies war der Grundstein für die weitere Arbeit, die sich nun schon an die zwei Jahre hinzieht. Alles deutet in diesem Stadium der Projektentwicklung auf eine sehr moderne,  "schnörkellose" Inszenierung hin.  Geistiger Hintergrund war naturgemäß die Inszenierung des absurden Stückes "Imagination".


Die Personen der Handlung


 

Die Tetralogie "Ring" ist wohl ein besonders umfangreiches Werk, es gibt aber vergleichsweise wenig  darstellende Figuren. Trotzdem sollten sich  diese Figurinen einfache,  reich an Kontrasten seiende, Bühnenbild gut einfügen.
Die Frage, welche bei jeder Ring-Inszenierung auf der "wirklichen Oper" gestellt und mit großer Emotion geführt wird, ist, wie stellt man einen Gott auf der Bühne dar. Es gibt immer einen Teil der Zuschauer, der an der Kostümierung Wotans  Kritik übt. Ich habe darauf hin immer die Frage gestellt: "Wer hat denn schon einmal einen Gott gesehen und weiß, wie er aussieht?". Moses hat behauptet, er habe Jahwe auf dem Berg Sinai gesehen. Es ist aber keine Beschreibung überliefert. Zeus hat sich jedes Mal verwandelt, wenn er mit einer Menschenfrau zusammen war. Ja, von Wotan hört man sogar in dieser Oper, er habe sich als "Wälsung" (Werwolf) getarnt, als er die Zwillinge Siegmund und Sieglinde gezeugt hat. Niemand kann also sagen, wie Wotan ausgesehen habe. Also auch nicht so, wie er zu Zeit Richard Wagners auf die Bühne gestellt wurde. Gut. Also dacht ich, ich mache die Götter in dieser Oper durchsichtig. Das geht aber auch nicht so gut, man sollte doch zumindest eine Ahnung haben, wer und wo sich gerade auf der Bühne befindet.  Letzten Endes verwendete ich für Wotan, Fricka , Freya und Loge einen milchglasartigen Kunststoff, der durch das Bühnenrücklicht "durchscheinend" wirkt.  Auf der Rückseite der Figuren brachte ich eine leichte schwarz/weiß Zeichnung an, die andeutend die dargestellte Figur erkennen lässt. Bei Wotan ist ein roter Gürtel zu erkennen. Bei all seinen vielen Kindern, die im Stück vorkommen, wird ebenfalls ein roter Gürtel das Signal der Familienzugehörigkeit sein.

Die Riesen Fafner und Fasolt

Es ist ja in Wirklichkeit fast unmöglich auf der wirklichen Bühne Richard Wagners RING in allen von ihm geforderten Details darzustellen. Viel leichter geht dies auf der Figurentheater- oder Papiertheaterbühne. Die Riesen sollten im Vergleich zu normaler Menschengröße wirklich groß
erscheinen.  In Anlehnung an den Stil des Henri Matisse entwarf ich zwei Riesenfiguren, die tatsächlich alle überragen. Auch der Feuergott Loge bekam eine (durchscheinende) Gestalt a la Matisse.

 
Die Schwarzalben oder auch Nibelungen

Alberich, der Gegenspieler Wotans und sein Bruder Mime werden immer wieder  als krötenartige Zwerge (die Rheintöchter bezeichnen Alberich als "schwarzer, schwieliger Schwefelzwerg") genannt. So war also die Gestaltung dieser Figuren - die sehr märchenhaft klingt - doch einfach zu realisieren.
Wie bei Wotan der rote Gürtel, sind bei Alberich die Farbe schwarz/gelb wichtig. Sie kommen wieder bei Alberichs spät gezeugten Sohn Hagen als Zeichen der Blutsverwandtschaft ins Spiel.

Die Rheintöchter

Bei der Uraufführung, so habe ich die Bühnenbild-Modelle , in Bayreuth gesehen, wurden die Darstellerinnen der Rheintöchter auf bewegliche Drahtgestelle gebunden, die während diese armen Frauen singen mussten, hin und her bewegt wurde.

Für diese Eingangsszene hatte ich den Einfall einer Schattenbühne.  Die Figurengruppe der Rheintöchter wird mit einem Führungsstab an diese Milchglasscheibe gedrückt und hin und her bewegt. Und schon schwimmen sie.

Siegfried und alle anderen Figuren

Die übrigen Figuren für den RING werden wohl alle sehr menschlich gehalten. Doch wird ihre Darstellung schnörkellos und einfach sein. Dies erleichtert auch ungemein die Wahrnehmung selbst in den hinteren Reihen. Hier kann ich noch keine Bilder liefern, da ich beim Zeichnen noch in der Entwicklungsphase bin.

Technische Lösungen

Zumindest zwei Vorgänge kann ich hier erläutern. Zunächst ein Bild vom "Feuerzauber". Die  Figur Brünnhildes ist an der Rückseite des Bühnenbildes fix montiert  und muss zum richtigen Zeitpunkt die liegende Brünnhilde.
 
 Als zweites Beispiel möchte ich die Szene beschreiben, in welcher Siegfried den Drachen Fafner tötet. Die Höhle stelle ich als kreisrunde Öffnung in dieser Schwarzen Wand dar. Die Bühnenrückwand wird grün beleuchtet. In diese kreisrunde Öffnung rollt der Drache, der in sich zusammengerollt, mit vorstehendem Haupt dargestellt wird. Sobald Siegfried den Drachen getötet hat rollt die Figur weiter und von oben wird die Öffnung mit rot  (Symbol für das Drachenblut)  gefüllt.



 

Noch viel Arbeit bis zur Uraufführung 

Da nun die Bühnenbilder/Kulissen ziemlich fertiggestellt sind, kann ich mich mit Nachdruck der Textverkürzung und der Auswahl der besonders wichtigen Musikbeispiele widmen. Wie bei meinen bisherigen "Wagner-Opern" LOHENGRIN FÜR EILIGE" und
"TANNHÄUSER KURZ UND GUT"  werden Musikteile, Gesangpartien und erklärender Text so zusammen zu fügen sein, dass das ganze eine kontinuierliche und selbsterklärende Handlung ergibt. Das Projekt ist im Laufen und soll 2020 abgeschlossen und reif für eine Uraufführung sein. 102 Minuten sind ja ca. 1 3/4 Stunden Handlung.  Da dies für ein Papiertheaterstück wirklich "überlang" ist, wird wahrscheinlich eine Erfrischungspause eingeräumt werden.

Donnerstag, 24. Januar 2019

KLEINE BÜHNE FÜR KLEINE LEUTE

Ich baute ein kleines Bühnchen für meine Enkelin Stephanie 

Jedes Mal, wenn ich Vorstellungen für Kinder spiele, stelle ich fest, dass Kinder am liebsten selbst mit den Figuren spielen möchten und eine sehr große Fantasie dabei entwickeln. Die kleinen Puppenspieler hauchen den Papierfiguren tatsächlich eine Seele ein, murmeln Rollenspiele, entwickeln eigene Geschichten mit grandiosen Einfällen.  Mit einem Wort, Kinder versinken dabei in eine andere Welt.

Vor einem Jahr etwa begann meine kleine Enkelin Interesse und Konzentration für das Geschehen auf der Bühne zu finden. Allmählich begann sie die Figuren selbst in  die Hand zu nehmen und eben ihre eigenen Geschichten zu spielen.

Die Figuren selbst ausmalen

Unabhängig von dieser "Bühnengeschehen" entdeckte ich die Leidenschaft meines kleinen Mädchens für das Ausmalen von Vorlagen. Das geschieht dann so: "Zeichne bitte eine Hexe!" , ich nehme Papier und Stift und zeichne eine einfache Figur, dann übernimmt meine Enkelin das Blatt und malt mit Farbstiften mit großem Geschick die Figur aus. Ich habe so etwas schon früher mit Kindern gemacht und dabei unterschiedliche  Begabungen feststellen können. Manche Kinder machen es gern, manche machen es sehr genau, manche machen es sehr bunt. Jedenfalls ist der Umgang mit Farbstiften für Kinder immer ein Erlebnis der besonderen Art.

So dachte ich im letzten Advent, ich könnte doch für meine Enkelin ein kleines Papiertheater bauen und vieles bloß schwarz/weiß lassen, damit das Kind die Möglichkeit hat, zumindest farblich, ihre eigenen Figuren zu entwickeln. Zur Sicherheit habe ich aber auch jeweils einen Satz Kulissen und Figuren schon koloriert mit geliefert.

Eine kleine Grundausstattung

Es gibt also jetzt ein kleines Bühnchen mit der Ausstattung für HÄNSEL UND GRETEL. Damit aber auch der KASPERL eingesetzt werden kann (diese Figur ist ja bereits von der Puppenbühne bekannt) habe ich auch ein Set von Kulissen und Figuren für eigene Kompositionen kreiert: Schloss, Kasperl, Krokodil, König Prinzessin, Zauberer und Großmutter.
 

Zunächst aber muss eine Bühne gebaut werden

 Hier eine kleine Fotostrecke über die einzelnen "Bauabschnitte".
Ich habe bisher mit Sprühkleber gearbeitet. Meine ENTDECKUNG bei dieser Arbeit: die DOPPELSEITIG KLEBENDE FOLIE.

Sobald Farbkompositionen meiner Enkelin vorliegen werde ich diese hier zeigen.

Trägermaterial für das Proszenium


Proszenium auf die gewünschte Größe bringen

einen Karton für die Bühne zurichten

Ränder d.Prosz.einfassen

Die Bühnenöffnung herstellen



Proszenium bekleben

Zum Kleben eine beidseitig klebende Folie verwenden



Das Gehäuse mit Holzleisten versteifen

Nun muss alles gut kleben










Figurenführer müssen stabil sein

Aus einer Stange Scheiben schneiden

und einen Schlitz sägen

Führungsstab anleimen

ein Satz Führungsstäbe

Die Kulissen aufkleben

die s/w Bühnenbilder und Figuren können später bemalt werden


es gibt aber auch schon kolorierte Stücke

Prospekt: Ein Schloss
Hänsel und Gretel und die Hexe


 

Durchsicht: im Schloss
Die Führung für den Vorhang der seitlich aufgeht !
Das fertige Bühnchen
Die Vorzeichnung kann gleich als s/w Vorlage dienen


Ein Set mit Kasperl, König, Prinzessin und Zauberer

Großmutter und Krokodil dürfen nicht fehlen
 

Dienstag, 27. Februar 2018

Ein Arrangement für Vibraphon, Percussion, Gitarre und Trompete


Die Bremer Stadtmusikanten

Ulrich Chmel, Wien


Die Figuren und die Bühnenbilder

 
Anfänglich war bloß der Wunsch in mir, ein neues Stück zu produzieren.  Heute kann ich überhaupt nicht mehr sagen, wie ich auf die Idee gekommen bin, das  Märchen  DIE BREMER STADTMUSIKANTEN  zu dramatisieren. Jedenfalls habe ich im Lauf des Jahres 2016 damit begonnen, die ersten Bühnenbildentwürfe für dieses schöne Märchen zu entwerfen. Ich hatte dabei jene Landschaft vor Augen, die ich bei einem Aufenthalt am "Jadebusen"  kennengelernt hatte.   "Am Donnerstag kannst Du sehen, wer am Samstag zu Besuch kommt!" sagen die Menschen dort, um diese flache Landschaft zu beschreiben. Es sollten ganz eigenständige Bühnenbilder werden, welche den Zuschauern die Illusion vermitteln am Ufer der Nordsee zu sein.  Tuschstift und Airbrush waren die Zeichen- und Malmittel, mit welchen ich diese
ersten Entwürfe gemacht habe.

ESEL, HUND, KATZE UND HAHN



 

Als ich dann dazu Figuren für die STADTMUSIKANTEN suchte, war bald klar, dass ich sie selbst zeichnen müsste, um Figuren zu bekommen, die in diese Landschaft passten.  Ich begann einmal damit die "Hauptdarsteller" zu entwerfen: ESEL,
HUND, KATZE und HAHN. Obwohl es sich bei den BREMER STADTMUSIKANTEN ja eigentlich um ein sozialkritisches Märchen handelt, sollten die Figuren aber doch leicht und ansprechend sein.

 
Da ich die Bühnenbildentwürfe mit einer dem "Airbrush" zu vergleichenden Methode koloriert hatte, ging ich daran, auch die Figuren auf diese Weise zu kolorieren.  Mit diesem "Malmittel" erzielt man eine gewisse Leichtigkeit der Farben und kann auch rhythmische  Akzentuierungen erzielen.

 DIE NEBENDARSTELLER

 
Schritt für Schritt entwickelte sich die Handlung vor meinen Augen und ich erkannte die Notwendigkeit auch die "Nebendarsteller" zu entwerfen. Bei der Arbeit verdichtete sich dieses Märchen in meiner Phantasie zu einem Beispiel dafür, dass Lebewesen, die von unserer Gesellschaft als wertlos angesehen werden, durch den Zusammenschluss ihrer Kräfte, imstande sind, großartige, ungeahnte Leistungen zu vollbringen und damit von unserer Gesellschaft wieder akzeptiert und sogar geehrt werden.

Es entstanden auf diese Weise die "Besitzer" der vier Tiere: Der Müller, der Jäger, die Besitzerin der Katze und die die Besitzerin des Hahns.  Um der Geschichte den erforderlichen Rahmen zu geben, erfand ich auch noch die Bürger, die Räuber, den Bürgermeister, den Nachtwächter und den Stadtwächter.

 

Schon während der Arbeit an den Figuren wurde mir klar,  für diese bunten Figuren ein klares und einfaches Bühnenbild entwerfen zu müssen,
 damit die handelnden "Schauspieler" nicht im "Farbbrei" untergehen.  Einfarbiger Fotokarton erschien mir dafür am besten geeignet.
 



IM RÄUBERHAUS

Einer der Räuberbande wird ja vom Räuberhauptmann in der Nacht wieder in das Haus zurückgeschickt, um nachzusehen, wer sie denn von dort vertrieben hat und ob man noch an die Beute gelangen könnte. Damit dies eindrücklich dargestellt werden kann, wird das Innere des Hauses ganz dunkel gehalten und sehr viel Leuchtkarton verwendet, um dem ganzen einen gespenstischen Eindruck  zu verleihen. In der Dunkelheit vermeint der Räuber ja auch an Stelle der Tiere Gespenster zu erkennen: Leuchtende Augen, riesige Knüppel, Krallenhände und Messer.

 

 

Die Musik

Da die Geschichte an der Nordsee spielt, wollte ich unbedingt Volksmusik aus dieser Gegend als musikalische Umrahmung für dieses Märchen einsetzen. Ich fragte sogar bei einer Papiertheaterspielerin an, die dort zu Hause ist. Ich durchforstete das Internet. ich lernte Seemannschöre kennen und dachte, dass diese nicht die wirkliche Musik zu diesem Stück sein kann.
In dieser Phase klagte ich mein Leid einer befreundeten Musikerin. Margit Schoberleitner ist Solopaukistin bei den Niederösterreichischen Tonkünstlern. Ihr umfangreiches Repertoire reicht vom Klassischen Konzert über zeitgenössische Musik und Volksmusik bis zu den Dialektsongs. Meine großartige Margit war sofort Feuer und Flamme für dieses Projekt.

 


13 Instrumente

Sie ging sofort an die Arbeit arrangierte Bestandteile aus Saint Saens "Carneval der Tiere" für Vibraphon, Xylophon, Glockenspiel, Flexaton, Vibraslapp,  4 Pauken, Rahmentrommel, Casu, Trompete, Nasenflöte, Kuckuck, Kastagnetten und  Gitarre - wow! Es wurde alles besprochen und  eine Partitur geschrieben. Margit ist ja eine hervorragende Orchestermusikerin und weiß um die Erfordernisse bestens Bescheid.
 


Aufnahme beim Tonmeister

Am festgesetzten Aufnahmetag erschien Margit mit einem Kastenwagen voll Instrumente, die nun alle in das Studio verfrachtet wurde. Nun wurde Spur für Spur aufgenommen. Oft waren es 7 Spuren für eine Sequenz. Bis auf die Gitarre wurden alle Instrumente von Margit gespielt. Tonmeister Alexander steuerte souverän diese komplizierte Aufnahme durch 16 Stunden hindurch. 

Zum Abschluss sangen wir noch im Chor ein Lied zur Melodie "Ein Hund kam in die Küche".

 

Es ist dies nun ein weiterer Versuch, eigens für ein Stück geschriebene bzw. arrangierte Musik zu verwenden. Der erste Versuch war bei IMAGINATION  mit der Auftragskomposition von Karl-Heinz Essl überraschend gut beim Publikum angekommen. Dessen elektronische experimentelle Musik wurde bisher bei 20 Vorstellungen vom Publikum ausgezeichnet angenommen. Ein weiterer Versuch, ein Stück mit Live-Gitarrenmusik zu begleiten, gelang im Herbst letzten Jahres, bei dem "Weihnachtsstück" DIE MADONNA VOM SCHNEE. Hier konnte ich einen befreundeten Gitarristen, Richard Pilkington, für eine Zusammenarbeit  gewinnen. Nun ist also das Arrangement für Vibraphon, Percussion, Trompete und Gitarre für DIE BREMER STADTMUSIKANTEN an der Reihe und ich bin vom großen Erfolg dieser tollen Musik fest überzeugt.