Donnerstag, 25. Mai 2017

Neue Regietalente


Papiertheaterworkshop brachte sensationelle Entdeckungen zu Tage
Text Ulrich Chmel, Wien,  Fotos: Mag.J.Starzinger, Wien


Es ist jedes Mal eine große Freude für mich, für eine Schulklasse den Workshop VON DER SCHUHSCHACHTEL ZUM PAPIERTHEATER vorzubereiten. Allein der  Gedanke jungen Menschen mit ganz einfachen Mitteln die Möglichkeit  geben zu können, ihre Phantasie zum Blühen zu bringen, spornt mich an, gut vorbereitet zum Termin zu kommen.


Figuren zu Hänsel&Gretel
Es fing ja alles mit meinem Besuch des Papiertheater-Festivals in  Preetz, im Jahre 2003 an. Dort lernte ich die Möglichkeit kennen, Kindern aus einer Schuhschachtel (Schuhkarton) ein kleines Theater bauen zu lassen und danach mit selbst gezeichneten Figuren und Kulissen ein freies Theaterstück aufzuführen.  Wieder in Wien, machte ich mich daran, solch einen Workshop ins Leben zu rufen und beriet mich mit erfahrenen Lehrern und Lehrerinnen.  Diese waren von dieser Idee sehr begeistert. Gerne nahm ich den Rat an, den Kindern einen vorgezeichneten Ausschneidebogen in die Hand zu geben. Es ist erstens die Frage, ob alle Kinder einer Klasse gut zeichnen können und zweitens hat man in einer Schulklasse mit einem Zeitbudget zu tun.

Aus diesem Grunde entwarf ich einen Ausschneidebogen mit den Figuren und Kulissen für das Märchen "Hänsel und Gretel". Dieser Ausschneidebogen war nun auch  Anfang Mai die Basis des Workshops, welchen ich mit den 26 Kindern der Klasse 1A des  Bundes -Gymnasium / Bundes Realgymnasium Keimgasse in Mödling, nahe bei Wien,  durchführen wollte.

HÄNSEL&GRETEL zur  Einleitung

Spiel mit der Bauchladenbühne
Zur Begrüßung spielte ich den Kindern das bekannte Märchen in meiner der Zeit angepassten Kurzfassung auf meiner Bauchladenbühne vor und führte sie auf diese Weise in das Thema und gab ihnen auch die Gelegenheit, Ideen für die eigene "Regiearbeit"  zu gewinnen.  Immerhin fanden es viele cool, dass ich die Bühne umgehängt hatte und die Musik mit einem "Lochstreifenkurbelwerk" produzierte.  Mit großer Freude wurde mitgesungen und alles genau beobachtet.

Bastelstunde

Rasch ging es danach an die Arbeit, galt es doch das Proszenium auszuschneiden und das "Theaterhaus " damit zu bekleben. Ebenso mussten die Figuren  und Kulissen ausgeschnitten werden. Die Materialien waren ja denkbar einfach und im modernen Sinne "nachhaltig". Alte Schuhkartons wurden von mir vor dem Workshop mit dem Messer präpariert, so dass keines der   Kinder mit dem Messer arbeiten musste (Verletzungsgefahr!). Als Figurenführer  dienten "Schaschlikspiesschen". Einige Geduld und etwas Geschicklichkeit waren dann die Investition der Kinder um endlich mit dem Spiel beginnen zu können.

6 Vorstellungen in etwa einer Stunde

Die Sensation des Tages waren dann die Vorstellungen, die sich die Kinder für den Abschluss des Workshops ausgedacht hatten. Sehr gut vorbereitet von Professor Mag. Jakob Starzinger, entwickelten dann eine Reihe von Mädchen und Buben  eigene Spielideen bzw. Weiterentwicklungen des bekannten Märchens HÄNDEL&GRETEL. Moderne Überlebensstrategien im finsteren, kalten Wald wurden entwickelt. Die Hexe - eine  alte Frau mit einem Pickel auf der Nase (!) - wurde angehalten Lieblingsgerichte, wie z.B. Nu...lapalatschinken  zu backen. Das Hexenhaus wurde mit einem Panzer angegriffen und  zerstört, oder die Geschwister besetzten das Hexenhaus (Lebkuchenhaus) und wohnten fortan dort.

Meine Rolle bei diesen "Vorstellungen" war die eines Inspizienten, der mit kleinen Hilfestellungen und heftigen Feuerzauber die fantasiereichen Kinder bei Ihrer  Regie- und Darstellungsarbeit unterstützte. 

Von diesem Geschehen ging das  Faszinosum des kreativen Formen und Schaffens aus. Diese besonderen Kinder konnten trotz Fernseh- Videospielsucht und  Mobiltelefonabhängigkeit für über drei Stunden ihre großartige Phantasie ins Spiel bringen. Es bedurfte dazu lediglich eines Schuhkartons, ein bisschen  Papier und Klebstoff.

Jedes Kind  kann ab jetzt zu Hause Theater spielen


 Nach drei Stunden nahm jedes  Kind "sein Papiertheater" mit nach Hause und einige haben mir verraten, zu Hause eigene Figuren, für eigene Geschichten zeichnen zu wollen.  Ich hoffe jedes Mal, dass der Samen der (Papiertheater-) Phantasie, den ich bei dem Workshop gelegt habe, bei dem einem oder anderen jungen Menschen aufgeht und vielleicht sogar weitergetragen wird.


Mittwoch, 22. Februar 2017


Bauchladen für das Papiertheater


ein Erfahrungsbericht eines Papiertheaterspielers


von Ulrich Chmel - Wien

 
Es war ein Zufall, als ich mir eine kleine Papiertheaterbühne um den Hals gehängt habe um für Freunde in der Schweiz eine der freiesten und kürzesten Interpretationen des Märchens DORNRÖSCHEN zu spielen. Aus dieser ersten Vorstellung hat sich nun eine Praxis mit dieser kleinen Bühne entwickelt, die für mich auch in die Zukunft deutet.

Woraus die Bühne besteht

Im Prinzip besteht diese Form der Bühne aus einem Schuhkarton, welchen ich mit Holzleisten stabil mache. Interessierte können das  in meinem blog http://papiertheater.blogspot.co.at/  "DIE BAUCHLADENBÜHNE 1"  vom 1.5.16 und "DIE BAUCHLADENBÜHNE 2 vom, 30.5.16 nachlesen. Ein alter Handtaschenriemen dient dazu, diese kleine Kiste um den Hals zu hängen.

Welche Bühnenbilder und Figuren werden verwendet

Man kann alle Papiertheatervorlagen verwenden, muss sie aber auf die benötigte Maß verkleinern. Ich selbst zeichne sehr viel selbst und passe das gezeichnete dann auch an die erforderliche Kleinheit an.

Wie wird beleuchtet

Unterhalb der Bühne ist bei mir ein Batteriekasten (aufladbare Lithium-Batterien) angebracht, welche den Strom für die LED-Streifen und die "Explosionsmaschine" liefert.

Wie werden die Kulissen befestigt

Für die Bühnenbilder und Kulissen habe ich seitlich Führungsschienen konstruiert. Die Kulissen und Bühnenbilder werden von oben eingeschoben und sind durch die seitlichen Führungsschienen gesichert.

Wie werden die Figuren geführt

Die Figuren für die Bauchladenbühne sind fix an Führungsstäbchen geklebt und werden von oben gespielt. Anfänglich habe ich die Figuren seitlich geführt. Die Führung von oben bringt aber viel mehr Stabilität  und Bewegungsmöglichkeiten. Man kann die Figuren dadurch auch sehr leicht drehen und wenden.  Zum Abstellen drücke ich die Figuren in eine der Führungsschienen im  Bühnenboden.  Mit kleinen Klammern kann ich die Figurenstäbchen am oberen Rand der Bühne fixieren.

Wie wird gespielt

Ich persönlich ziehe es vor vollkommen frei zu spielen. Ich improvisiere jedes Stück jedes Mal anders. Ich spiele also stegreif. Als maximale Spieldauer habe ich mir für die Bauchladenbühne ca. 20 - 25 Minuten vorgenommen. In diesem Zeitrahmen gelingt es mir beim Publikum eine Spannung aufzubauen und auch zu halten. Dies kann also bedeuten, dass die Geschichte von HÄNSEL&GRETEL immer wieder Variationen aufweist. Das hängt von meiner Laune und meinen spontanen Einfällen aber auch von immer wieder zu hörenden Zwischenrufen des Publikums ab. Wichtig dabei ist, dass die Handlung Fixpunkte hat und zügig vorangetrieben wird.

 Wie wird Musik gemacht


Als Musikinstrumente dienen mir eine Maultrommel, ein eingebautes Kurbelspielwerk mit Lochstreifen (www.spieluhr.de) und eine Donnertrommel und kleine Perkussionsinstrumente.  Alles ohne Strom,  nur reiner Hand- oder Mundbetrieb.




Einbeziehung des Publikums


Ich habe mit der Bauchladenbühne seit dem Juni 2016 nun schon vor über 900 Gästen gespielt und dabei die Erfahrung gemacht, dass das Publikum in der Mehrzahl der Fälle besonders gerne "mitspielt" und "mitsingt". Immer wieder fordere ich die Zuschauer auf eine "abgespielte" Figur oder Kulisse aufzupassen. Solchen Bitten kommen die Gäste immer sehr gerne nach. Mit besonderem Interesse werden auch die Figuren begutachtet. Mit der Frage "Was sagen Sie zu einem solchen Prinzen. Können wir den zur Prinzessin vordringen lassen?"  löse ich regelmäßig Begutachtungen der Figuren aus und alle  weiblichen wollen diesen Prinzen sehen. Natürlich wollen alle Männer dann die Figur der Prinzessin aus der Nähe sehen. Einmal wurde die Prinzessin sogar von einem alten Herrn geküsst!

Mit großer Freude singt das Publikum bei den vorgetragenen Liedern mit und lässt sich mit Leichtigkeit von mir dazu verführen. Naturgemäß müssen es Texte sein, welche die Menschen seit ihrer Kindheit kennen. Letzthin bin ich vor 200 Zuschauern mit diesem kleinen Bühnchen gestanden und habe meinen Vortrag mit der suggestiven Frage eröffnet "Wie beginnt ein Märchen? ..... Es ...."
dann setzten alle, wie ein Chor ein: ...."war einmal".

Naturgemäß werden jetzt die geneigten Leser die  Frage stellen, wie denn 200 Menschen einer Vorstellung folgen können,  die in einem Bühnenausschnitt von ca. 20 x 18 cm spielt. Die Antwort ist verblüffend: Besser als auf der Bühne mit 40 x 30 cm Bühnenausschnitt. Der Bauchladen ist vor dem sitzenden Gast genau in Augenhöhe und ich gehe mit der Bühne während des Vortrages von Gast zu Gast. Wenn dabei jemand fotografieren möchte bleibe ich stehen und ziehe diese Situation-  sehr zur Unterhaltung der anderen - in die Handlung ein. Bei den 200 Gästen gab es vier Sitzblöcke und ich bin also in Achterschleifen immer durch den Saal gegangen und habe dadurch eine sehr enge Beziehung zum  Publikum herstellen können.

Die Einbeziehung des Publikums erreicht bei HÄNSEL&GRETEL jeweils dann den Höhepunkt, sobald der HÄNSEL feststellt, dass die Dachziegel des Knusperhauses aus Schokolade sind und ich dann an das Publikum kleine Naps (kleine verpackte Schokoladestücke) verteile.

 

 

 

Wer ist das Publikum


Ich habe mit der Bauchladenbühne seit dem Juni 2016 vor Kindergartenkindern, Schulkindern, Erwachsenen,  alten Menschen, gemischten Gruppen und vor Behinderten gespielt. Die Reaktionen sind bei jedem Publikum gleich begeisternd. Naturgemäß muss man natürlich das Publikum dort abholen wo seine Stärken liegen. Das wird bei jeder Gruppe anders sein.

Welche Anforderungen stell die Bauchladenbühne an den Spieler


Papiertheaterspieler werden sich damit leicht tun, lieben sie doch Ihr Publikum und haben keine Scheu vor Menschen. Gut ist es , wenn man ein über bisschen freie Rede und Improvisationstalent verfügt, ist eigentlich schon alles  gut gelaufen.

Ist das noch Papiertheater


Diese Frage höre ich natürlich seit ich Papiertheaterstücke produziere und spiele. Was also das Material anlangt, sind meine Stücke für die Bauchladenbühne reine Papiertheater. Hier ist wirklich alles aus Papier und Karton. Bis auf ein klein wenig Licht und die Explosionsmaschine gibt es absolut keine Technik. Da mich schon bei den Vorstellungen der Märchen mit der klassischen Papiertheaterbühne an keine klassischen Papiertheater-Text-Vorlagen gehalten und immer nur stegreif gespielt habe, ist der Unterschied für mich persönlich nur der, dass ich nicht hinter einem Vorhang stehe, sondern dem Gast direkt ins Angesicht sehen kann. Für mich steht an oberster Stelle, das Publikum zum Lachen, Weinen oder zum Staunen zu bringen. Ich werde in Zukunft bei Formen des Papiertheaters pflegen: sowohl die klassische Form mit der großen Bühne, als auch jene mit der Bauchladenbühne.

Dienstag, 11. Oktober 2016

SO EIN THEATER! Dabei ist alles aus Papier

ein kleiner Blick in die Welt des Papiertheaters

Das Bezirksmuseum Wieden

Das Bezirksmuseum des 4. Wiener Bezirks "Wieden" , in der Klagbaumgasse 4, war bis in die 1980er Jahre ein öffentliches Brausebad. Das Haus wurde nach der Schließung des Bades komplett renoviert und beherbergt nun zwei Museen: das Bezirksmuseum Wieden und das "Rauchfangkehrer-Museum". Seit 2009 bin ich eingeladen, im Vortragssaal des Museums mit meinem Papiertheater öffentliche Vorstellungen zu spielen. Fast 60 Vorstellungen sind seitdem dort  "über die Bühne gegangen" und ich konnte vielen "Kleinen und Großen" das Papiertheater vorstellen und viel Freude damit bereiten. Das Museum ist verkehrstechnisch ideal  per Straßenbahn und Autobus erreichbar. Der kleine Vortragssaal kann mit maximal 30 - 40 Sesseln bestuhlt werden. Idealerweise lade ich aber immer nur etwa 25 Gäste pro Vorstellung ein.

Eine sehr kleine und bescheidene Papiertheaterausstellung

Der Leiter des Museums, Herr Prof. Felix Czeipek und seine Kustoden haben mich heuer im Juni eingeladen, eine Ausstellung zum Thema Papiertheater zu gestalten. Gerne bin ich diesem Wunsche nachgekommen und habe aus den eigenen Beständen eine wirklich sehr kleine Übersichtsausstellung zusammengestellt. Dabei ist daran gedacht, diese Ausstellung den Bürgern des 4. Wiener Bezirks zu zeigen und ihnen einen kleinen Blick in die Welt des Papiertheaters zu schenken. Die Ausstellung kann die Erwartungen von Papiertheatersammlern und -kennern in keiner Weise erfüllen. Dazu ist mein Wissen über die Vielfalt des Themas viel zu gering, die zur Verfügung stehende Vorbereitungszeit zu kurz und der Ausstellungsraum viel zu klein.

Der Raum, in welchem die Ausstellung gezeigt wird, war ehedem die Kassa des Bades und bietet etwa 9 Laufmeter Ausstellungsfläche.



Klare und einfache Gliederung

Ich  zeige eingangs Beispiele einer barocken Guckkasten-Bühne (in Form eines Nachdruckes einer Engelbrecht-Krippe) sowie einer "Trentsensky-Bühne" (ebenfalls aus Nachdrucken). Darüber hinaus zeige ich Kopien von Proszenien, Vorhängen, Bühnenbildern und Kulissen sowie Figuren von verschiedenen Verlagen. Danach  stelle ich meine Bühne vor: mit den Stücken, der Spielstätte "Bezirksmuseum" und einen Blick hinter die Bühne. Kleine Beispiele von Figurenführern, Textheften, Verwandlungsfiguren runden das Thema ab. Abschließend präsentiere ich mein absurdes Stück und meine Bachladenbühne. Zwischen den Schautafeln treten quasi Papiertheaterfiguren aus der Wand heraus. Dies ist zugleich Trennung zwischen den Themen und Dekoration. Die Figurenbespiele reichen von Trentsentkys Figuren für ein Conversationsstück bis zur Elisabeth aus TANNHÄUSER KURZ UND GUT (von U.Chmel gezeichnet).

 

Wissenschaftlicher Kern


Vor einigen Jahren ist eine Dame, die gerade nach Ihrer Pensionierung mit dem Studium der Theater- und Medienwissenschaft begonnen hatte, mit dem Vorschlag an mich herangetreten, Ihre Bachelor-Arbeit über das Thema DAS PAPIERTHEATER IM 19. JAHRHUNDERT - Spiel oder Theater?  zu schreiben. Soweit ich konnte, habe ich Frau Inge Mansky dabei unterstützt. Diese Arbeit kann nun im Zuge der Ausstellung eingesehen werden und bildet damit sozusagen den "wissenschaftlichen Kern". Darüber hinaus hat Frau Inge Mansky bac. auch eine Arbeit über eine Aufführung meiner Vorstellung DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZCHEN geschrieben. Auch diese Arbeit kann im Rahmen der Ausstellung gelesen werden.

Ausstellungsdauer

Die Ausstellung wird am Donnerstag, dem 13. Oktober 2016, um 18 Uhr eröffnet und bleibt bis März 2017 zu sehen.




Dienstag, 31. Mai 2016

HEUTE WAR ÖFFENTLICHE PREMIERE MIT DER BAUCHLADENBÜHNE

Bilder ohne Worte

Die Premiere mit meiner  Bauchladenbühne am 31.5.2016 in Wien

In Wien sagt man: "Es war eine Hetz *)"



AUF GEHT'S

DAS IST DER WOLF

UND SO KANN ER DIE BEIDEN VERSCHLUCKEN

ROTKÄPPCHEN LERNT DEN  WOLF IM WALDE KENNEN

GROSSMUTTER; WOZU HAST DU SO GROSSE OHREN?



Fotos: Valentina Mitterer

*) für : Es war besonders lustig, alle haben sich sehr gut unterhalten!

Montag, 30. Mai 2016

BAUCHLADENBÜHNE NUMMER ZWEI - Zweiter Teil

Ein Bühnchen zum Improvisieren gemacht


Von den ersten Versuchen mit der Bauchladenbühne hat es sich ergeben, dass dies herrlich zum Spiel "mitten im Publikum" geeignet ist. Dabei kann ich nach Herzenslust improvisierend z.B. ein bekanntes Märchen erzählen und dabei das Publikum miteinbeziehen. Hier kann alles verwendet werden: tagesaktuelle Dinge, die man mit dem Märchen verbinden kann, Stärken und Schwächen der Zuschauer in Verbindung mit der Geschichte und vor allem eigene Schwächen. Darüber lacht das Publikum am meisten.

Die Bühne hat 18 bespielbare Schienen, 4 Schuber für Kulissen bzw. Bühnenbilder. Ich habe bekanntlich zwei Hände, einen Mund, zwei Beine. Ergo ergibt sich messerscharf, dass nur wenige Figuren und Bühnenbilder für ein Stück zur Verfügung stehen können. Dies bedeutet zumeist aber auch eine drastische Kürzung der Handlung.

Aus der Erfahrung mit meinem ersten Bauchladenbühnchen kenne ich das Problem: Wohin mit abgespielten Kulissen und Figuren. Daher habe ich beim neuen Bühnchen an der Rückseite der Bühne (vor meinem Bauch!) ein kleines Fach geschaffen, in welches ich alles hineinstecken kann. Um das Umfallen "wartender Figuren" zu verhindern habe ich im oberen Bühnenrahmen Ausnehmungen mit Verriegelungen gemacht. Hier können die Figuren (Führungsstäbchen) geparkt werden.

Die elektrische Anlage

Es gibt drei Lichtschienen: eine vor dem Vorhang, eine in der ersten Gasse und eine für den Prospect.
Darüber hinaus gibt es eine "Explosionsmaschine", welche auf Knopfdruck funktioniert. Die ist von einem Freund "handgemacht", wird mit Pyrowatte gefüttert und kann seitlich an einem Stecker angesteckt werden. Der Auslöseknopf ist ebenfalls seitlich angebracht und leicht und unauffällig während des Spiels zu erreichen.

Das Kurbelspielwerk


Die Musik zu den Stücken  mache ich mit dem Lochkarten-Kurbelspielwerk. Damit ich das nicht separat halten muss, habe ich mir eine "Kupplung" mit der Bühne ausgedacht. Mal sehen was die Praxis dazu sagen wird.

Figurenführung von oben

Rundleisten, Grillspießchen aus Holz oder flache Bambusspieße  eignen sich hervorragend als Figurenführer. Da ich ja die Bühne geradewegs vor meinem Blick habe, eignet sich die Führung von oben bestens, da man ja so quasi beim Spielen zuschauen kann.

Die bisherigen "Stückchen"


ROTKÄPPCHEN, HÄNSEL UND GRETEL und DORNRÖSCHEN.. Ich habe mich bei der







Produktion der Figuren auf einen Minimalbestand zurückgenommen, damit das auch in der Geschwindigkeit handhabbar - im wahrsten Sinn des Wortes - bleibt.

Erster Praxistest


Vor einigen Tagen hatte ich Besuch einer Großmutter mit deren Enkelin. Ich habe ROTKÄPPCHEN vorgeführt und im Anschluss die 5-jährige Enkelin eingeladen, die Bühne anzusehen und das Stück "nachzuspielen". Das Nachspiel hat wirklich sehr gut funktioniert. Dabei habe ich bemerkt,, dass man dieses kleine Bühnchen ja auch auf den Tisch stellen kann, um sie als - mehr minder - Mignonbühne - zu verwenden. Auf was man alles d'rauf kommt!!





Der Transport

Damit die "heikle Fracht" beim Transport zu und von den Vorstellungen gut geschützt ist, habe ich eine Alu-Transportkiste gefunden, in welche alles gut hineinpasst. Gott sei Dank hat diese Kiste auch Rollen.

Sonntag, 1. Mai 2016

BAUCHLADENBÜHNE NUMMER ZWEI - Erster Teil

Bauchladenbühne Nummer Eins 2012 - 2015


Vor etwa vier Jahren habe ich aus einem Schuhkarton meine erste Bauchladenbühne gebaut. Ich habe damit bei kleinen Gruppen, als Start bei den Workshops und sogar im kleinen Rahmen beim 2. Internationalen Vilsbiburger Papiertheater-Festival gespielt. Jedesmal hatte ich durch die vollkommen freie Stegreif-Spielweise beim Publikum sehr guten Erfolg. Es gab nur ein "Stück", nämlich die Kurzfassung von HÄNSEL UND GRETEL. Ja sogar auf diesem blog wurde dieser Beitrag über 300 Mal angesehen! Der letzte große Erfolg mit diesem Bühnchen war derart, dass ich mir nun eine neues Bauchladenbühnchen bauen musste, da die alte einen neuen Besitzer  und dort auch einen "sehr guten Platz" gefunden hat.


Bauchladenbühne Nummer Zwei*) 2016


Man nehme also einen Schuhkarton (auf österr. Schuhschachtel) und beginne diesen mit Holzleisten zu verfestigen. Immerhin werden  mit diesem Bühnchen Liveauftritte absolviert, dabei kann mir schon einmal das Temperament durchgehen. Also muss die Sache etwas aushalten. Ich fand auch ein sehr schönes und passendes Proszenium, welches ich mit dem Fotokopierer auf die passende Größe brachte. Zu Beginn schnitt ich aus dem Boden der Schachtel die Bühnenöffnung aus und fasste diese schwarz ein.

Im zweiten Schritt wurde der Bühnenboden durch einen Rahmen verstärkt, in welchen in der Folge das Batterie-Lager des Bühnchens untergebracht werden sollte. Ich schnitt die Seitenöffnungen aus, durch welche man Figuren auch seitlich führen kann. Im Vergleich zur ersten Bauchladenbühne blieb die Bühnenöffnung etwa gleich groß. Die Tiefe der Bühne hat nun allerdings stark zugenommen, was das Spiel erleichtern soll. Eine wesentliche Rolle bei der Arbeit mit dem Holz-Kaltleim spielen die Zwingen. Diese Zwingen begleiten mein gesamtes Papiertheaterleben. Sie werden bei allen möglichen Gelegenheit sehr praktisch und effizient eingesetzt. Der Rahmen hinter dem Proszenium bietet Platz für die  Montage der elektrischen Anlage.

Seit Beginn meiner Arbeit mit dem Papiertheater setzte ich zur Figurenführung Schienen ein. Diese Schienen wurden bei der "großen Bühne" vom Tischler mit der Kreissäge in den Bühnenboden eingesägt. Bei den kleinen Bühnen klebe ich Holzleisten in regelmäßigen Abständen auf den Bühnenboden. Um gleichmäßige Abstände zu erhalten verwende ich Abstandhalter aus Karton in der entsprechenden Stärke.


Sobald all diese Vorarbeiten erledigt sind schneide ich noch in den oberen Teil des Bühnchens eine sehr große Öffnung. Durch diese Öffnung kann ich die Figuren führen und  habe auch beim Spiel einen sehr guten Überblick über das Geschehen.

Eine wesentliche Veränderung zum alten Bühnchen ist, dass ich bei dem neuen Bühnchen den Vorhang seitlich öffnen kann und muss mich daher nicht mehr um den Verbleib des Vorhanges kümmern, sondern kann nach Schluss der Vorstellung sogar sehr elegant den Vorhang wieder schließen. Ich habe mir dazu einen Vorhang selbst gezeichnet, bei welchem das Öffnen und Schließen zur Seite auch stimmig ist.



Das Proszenium habe ich die Nischenfiguren geraubt und grafisch einfache Seitennischen produziert, um das Auge des Besuchers nicht zu sehr vom Geschehen abzulenken. Das Proszenium kann ganz einfach mit zwei Schrauben befestigt werden. Auf diese Weise kann ich in Zukunft immer wieder sehr einfach ein anderes Proszenium verwenden.
Beim nächsten Blogeintrag werde ich mich den Stücken für dieses Bühnchen und mit der Spielweise beschäftigen.